Die Predigt „Für eine solche Zeit" nimmt ihren Ausgang bei der Geburt Jesu in Bethlehem, wie sie im Matthäusevangelium geschildert wird. Robert Hamerton-Kelly verknüpft die biblische Erzählung mit den politischen Bildern der Gegenwart und fragt nach der bleibenden Bedeutung dieser alten Geschichte.
„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren war, siehe, da kamen Weise aus dem Osten nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern im Osten gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen." — Matthäus 2,1–2
Im Mittelpunkt steht die Begegnung zwischen den Weisen aus dem Osten und König Herodes — eine Konstellation, die Hamerton-Kelly als zeitloses Drama von Macht und Wahrheitssuche deutet. Die Weisen folgen einem Stern, einem Zeichen, das sie über alle politischen Grenzen hinweg nach Bethlehem führt. Herodes hingegen reagiert mit Furcht und später mit Gewalt, als er erkennt, dass die Weisen ihn getäuscht haben.
Schriftlesungen
Epheser 3,1–12: Paulus spricht vom Geheimnis Christi, das den Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart wurde — dass die Heiden Miterben sind, mit zugehörig zum Leib und mit teilhaftig an der Verheißung.
Matthäus 2,1–12: Die Weisen aus dem Osten suchen den neugeborenen König, bringen Geschenke aus Gold, Weihrauch und Myrrhe und kehren auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.
Hamerton-Kelly reflektiert über die Spannung zwischen göttlicher Fügung und menschlicher Machtausübung. Die Weisen stehen für jene, die sich von einer höheren Wahrheit leiten lassen — auch dann, wenn dies bedeutet, den Erwartungen der Herrschenden zuwiderzuhandeln. Ihre Heimkehr „auf einem anderen Weg" wird zum Bild für die verwandelnde Kraft echter Begegnung mit dem Göttlichen.
Die Predigt lädt dazu ein, die eigene Zeit im Licht dieser alten Geschichte zu lesen: Wo sind wir aufgerufen, dem Stern zu folgen, statt den Ängsten und Drohungen der Mächtigen nachzugeben?
