Die Lesungen des heutigen Tages verbinden ein Wort Jesu über die Pflicht mit einem Wort über die Kraft des Glaubens: Lukas 17,5–10 und 1. Timotheus 1,1–14.
„So auch ihr: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur getan, was wir zu tun schuldig waren."
— Lukas 17,10
„Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen" (Lukas 17,5–6). Was, so fragt sich der Prediger, haben diese beiden Aussagen miteinander zu tun? Lukas stellt sie bewusst nebeneinander.
Pflicht ohne Gegenleistung
Die zentrale Lehre dieser Passage ist radikal: Der Gläubige handelt aus reiner Pflicht, nicht in Erwartung einer Belohnung. In einer Welt, die von reziproken Transaktionen geprägt ist — Geben und Nehmen, Leistung und Gegenleistung —, ruft Jesus zu einer Haltung auf, die sich von diesem Kreislauf befreit. Der „unnütze Knecht" ist nicht wertlos, sondern er beansprucht kein besonderes Verdienst für das, was ohnehin seine Aufgabe war.
Glaube als Kraftquelle
Der Glaube, von dem Jesus spricht, ist keine quantitative Größe. Schon ein Senfkorn genügt, um Unmögliches zu bewirken. Der Glaube befähigt dazu, die Pflicht ohne Berechnung zu erfüllen — nicht aus eigener Kraft, sondern aus der Gewissheit, dass Gottes Wirken das menschliche Tun trägt. Paulus bezeugt in 1. Timotheus 1 genau diese Erfahrung: Ihm, dem ehemaligen Lästerer und Verfolger, ist Barmherzigkeit widerfahren, und daraus erwächst sein Dienst.
„Gunners Don't Cry"
Der Titel der Predigt verweist auf eine soldatische Tugend: Wer seinen Dienst versieht, klagt nicht über die Härte der Aufgabe und erwartet keine Sonderbehandlung. In der Nachfolge Christi bedeutet dies, das eigene Tun weder als Verhandlungsmasse gegenüber Gott noch als Grund für Stolz zu betrachten. Die Freiheit des Evangeliums liegt gerade darin, dass wir von der Last der Gegenseitigkeit befreit sind — und dennoch oder gerade deshalb mit ganzer Hingabe dienen.
