Eine grobe Graphitstiftskizze eines Baumstumpfes mit einer Axt, die an der Wurzel liegt, umgeben von dunklen, schraffierten Schatten – ein stilles, nachdenkliches Motiv.

Eine radikale Deutung der Zeichen der Zeit

Datum: 9. Dezember 2007 Autor: Robert Hamerton-Kelly

Schriftlesungen: Römer 14,4–13; Matthäus 3,1–12

„Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt.“ — Matthäus 3,10

Unser englisches Wort „radical“ ist eine Form des lateinischen Wortes radix – Wurzel. Unser Predigttext liefert damit eine kraftvolle Metapher: Wir befinden uns an einem Punkt der Zeit, der radikale Aufmerksamkeit verlangt. Die Adventslieder rufen uns zu: „Wachet auf, denn die Nacht verfliegt, die Wächter auf den Zinnen rufen!“ Der heutige Text sagt uns, dass die Axt bereits an unsere Wurzeln gelegt ist.

Johannes der Täufer steht in der Wüste und verkündet eine Botschaft, die keinen Aufschub duldet. Die Axt liegt nicht irgendwo im Schuppen – sie liegt an der Wurzel. Der nächste Schlag kann fallen. Diese Dringlichkeit durchzieht die gesamte biblische Prophetie: Es gibt eine Zeit für alles unter dem Himmel, wie der Prediger Salomo schreibt (Prediger 3,1–9), aber es gibt auch den kairos – den entscheidenden Augenblick, in dem das Handeln nicht länger aufgeschoben werden kann.

„Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ — Matthäus 3,10

Was bedeutet diese radikale Deutung für uns heute? Sie bedeutet, dass wir die Zeichen der Zeit nicht länger als bloße Kulisse unseres Alltags betrachten dürfen. Die adventliche Botschaft ruft uns in die Wachsamkeit. Die Wurzelbehandlung, von der Johannes spricht, ist keine kosmetische Korrektur – sie geht an den Grund unserer Existenz. Radikal leben heißt, sich der Wahrheit stellen, dass unser Leben Früchte tragen muss, die der Umkehr entsprechen.

Paulus erinnert die Gemeinde in Rom daran, dass wir nicht für uns selbst leben und nicht für uns selbst sterben (Römer 14,7). Unser Leben ist eingebettet in einen größeren Zusammenhang. Die Axt an der Wurzel ist daher nicht nur Drohung, sondern auch Verheißung: Was nicht trägt, wird entfernt, damit neues Leben wachsen kann. Der Advent ist die Zeit, in der wir diese Spannung aushalten – zwischen dem, was war, und dem, was kommen soll.

Die radikale Deutung des Advents, wie sie Johannes der Täufer verkörpert, erinnert uns daran, dass wahre Besinnung an den Wurzeln unseres Lebens ansetzt. So wie die Axt an den Baum gelegt wird, fordert uns diese Zeit heraus, unsere Prioritäten zu überdenken und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. In einer Welt voller Ablenkungen und materieller Verlockungen lädt uns die Adventsbotschaft ein, innezuhalten und unserem Leben eine neue Richtung zu geben. Diese spirituelle Neuausrichtung kann uns helfen, Klarheit zu gewinnen und mit neuer Kraft und Entschlossenheit unseren Weg zu gehen.

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